Verhaltensmedizin beim Tier. Mehr als nur Psychopharmaka.
Shownotes
Was macht ein Verhaltensmediziner eigentlich genau? Werden Tiere dort tatsächlich "nur mit Psychopharmaka behandelt" oder steckt viel mehr dahinter?
In dieser Folge räumt Lisa mit einem der größten Vorurteile rund um die Verhaltensmedizin auf und zeigt anhand echter Fälle aus ihrem Praxisalltag, warum auffälliges Verhalten fast immer eine Ursache hat. Denn Aggression, Angst, Unsauberkeit oder Abwehrverhalten entstehen nicht einfach aus dem Nichts. Häufig stecken Schmerzen, Erkrankungen oder Stress dahinter.
Anhand von Beispielen aus der Hunde-, Katzen- und Pferdemedizin erklärt Lisa, wie Verhaltensmedizin funktioniert, wann Medikamente sinnvoll sein können und warum sie niemals die alleinige Lösung sind.
In dieser Folge erfährst Du unter anderem: -Was Verhaltensmedizin überhaupt ist -Warum auffälliges Verhalten oft ein medizinisches Problem ist -Weshalb Schmerzen eine der häufigsten Ursachen für Verhaltensänderungen sind -Wann Psychopharmaka sinnvoll eingesetzt werden können und wann nicht -Warum Training und medizinische Therapie immer zusammengehören -Wie eine verhaltensmedizinische Untersuchung abläuft -Weshalb Tierärzte, Verhaltensmediziner und Trainer als Team arbeiten sollten -Warum jedes Verhalten eine Ursache hat und kein Tier "einfach schwierig" ist
Eine Folge für alle Tierhalter, die ihr Tier besser verstehen möchten und wissen wollen, warum der Blick hinter das Verhalten oft der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem glücklichen, schmerzfreien und entspannten Zusammenleben ist.
Transkript anzeigen
00:00:01: Willkommen bei Bellenbocken-Weißen, dem tierärztlichen Podcast rund um die Themen Bewegungssapparat, Schmerzfreiheit und Verhaltensmedizin.
00:00:11: Mein Name ist Lisa Leuthardt, ich bin Tierärztin und seit fünfzehn Jahren in eigener Tierarztpraxis selbstständig in der Schweiz mit den Schwerpunkten Chiropraktik, Akkupunktur, Schmertbehandlung oder Verhaltungsmedizin.
00:00:26: In diesem Podcast geht es darum, Tiere besser zu verstehen Und sie durch passende Bewegung, Ernährung und Beschäftigung körperlich und geistig fit zu halten.
00:00:36: Damit wohlbefinden nicht dem Zufall überlassen ist.
00:00:41: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge in der sich heute alles um das Thema Verhaltensmedizin dreht!
00:00:47: Was macht denn so ein Verhaltendstier-Mediziner überhaupt?
00:00:50: Und stimmt dieses Vorteil – der pumpt doch die Tiere nur mit Psychopharmaka vor all?
00:00:57: Kleiner Spoiler?
00:00:58: Nein tut er nicht.
00:01:01: Herzlich willkommen zu neuen Folgen.
00:01:03: Ich würde gerne auch gerade mal drei Beispiele geben, die mir ... in der letzten Woche über den Weg gelaufen sind.
00:01:10: Zum Teil wurde ich aufgrund des Verhaltens konsultiert, zum Teil aber wirklich für andere Sachen und die haben alle was mit Verhalten zu tun.
00:01:17: Verhalten ist ja nichts anderes als eine Reaktion auf etwas, das geschieht im Tier außerhalb des Tieres.
00:01:24: Das heißt es gibt uns mega viel Informationen.
00:01:27: Manchmal ist es so dass die Tierbesitzer noch gar nicht genau wissen warum passiert das?
00:01:33: Und dann kann man zum einen den Tierarzt konsultieren oder halt den Verhaltensmediziner, weil beispielsweise wenn ihr eine gestresste Katze zu Hause habt und ihr ladet die ein und ihr geht zum Tierarzt und sie sitzt dort auf dem Tisch.
00:01:47: Dann hat ihn anderen Stress und wird sich vermutlich nicht so verhalten wie Zuhause.
00:01:52: Und das ist manchmal dann etwas schwierig für den Haustierarzt darauf rückzuschließen welchen Stress die Katze denn zu Hause gezeigt hat was dahinter steht woher das Verhalten kommt.
00:02:02: Und viele Verhaltensmediziner, die sich auf Katzen spezialisiert haben, arbeiten deshalb mittlerweile online.
00:02:08: Weil man viele Fakten da ganz gut abchecken kann – das ist aber relativ aufwendig!
00:02:13: Das heißt, man braucht andere Informationen, beispielsweise ein Wohnungsplan um zu sehen wo frisst die Katze?
00:02:19: Wo trinkt sie?
00:02:20: Wo kann sie sich versäubern?
00:02:21: Geht sie raus?
00:02:22: Wo sind's Rückzugsorte?
00:02:24: und so weiter... Und das ist sehr, sehr aufwendig und nicht immer im normalen Rahmen der Praxistätigkeit zuständig.
00:02:31: Weil es einfach darüber hinausgeht.
00:02:33: Das heißt wenn man beispielsweise eine Katzerat, die im Haus uriniert... Er ist die Konsultation von einem Verhaltensmediziner super sinnvoll, der sich eben anschaut.
00:02:43: Wie ist denn die Iss-Situation?
00:02:45: Also läuft alles ideal?
00:02:47: Ist das Management gut oder ist es überhaupt nicht katzenkompatibel?
00:02:51: und die Katze kam vielleicht ein Jahr lang damit klar und sagt dann irgendwann mir reicht's ich kann so nicht mehr und hat Stress.
00:02:59: Und wichtig ist es natürlich auch dass man klinische Erkrankungen ausschließt also beispielsweise dass man sicher ist Keine Blasenentzündung hat, also dass die Katze des Katzenklo nicht mehr aufsucht.
00:03:11: Weil sie sagt immer wenn ich dort Hahn absetze tut es mir weh.
00:03:15: das wäre ja auch ein Grund Katzen-Kiste zu ignorieren.
00:03:18: Das heißt es braucht eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Haustierarzt und im Verhaltensmediziner.
00:03:22: das wär ganz ideal Und das ist keine Konkurrenz.
00:03:25: Es ist einfach ne super sinnvolle Ergänzung.
00:03:29: Dann hatte Ich zuletzt einen Hund in der Praxis Der schon immer relativ auffällig war mit fremden Hunden, wenn man eine Leinenaggression zeigte.
00:03:39: Und seit Kurzem auch im Haushalt einer Aggression gegen einen zweiten Hund gerichtet zeigt.
00:03:46: und man hat dann das Gefühl die Zündschnur wird immer kürzer und mittlerweile braucht der Hund nur noch ... Also der zweite Hund, der angegriffen wird gefühlt nur noch atmen oder vielleicht mal ein Blick rüber werfen und der andere Hund attackiert diesen Und dann gehen bei mir die Alarmglocken an.
00:04:04: Also so ein Verhalten hat immer, immer eine Ursache.
00:04:09: Kein Hund wird zu einem Monster oder hat einfach ne schlechte Persönlichkeit auf einmal und das heißt man muss die Ursache finden.
00:04:18: Diesen Hund habe ich abgetastet und hatte sehr deutliche Hinweise auf eine Hüftproblematik und wir haben diesen Hund geröntcht.
00:04:27: uns hat sich eine hochgradige Hüfteysplasie herausgestellt sprich, dass die Hüften nicht gut geformt sind.
00:04:34: So das der Kopf vom Oberschenkel nicht schön in der Pfanne liegt und der Hund massive Schmerzen hat – was eine kürzere Zündschnur einfach erklärt!
00:04:45: Und dann bin ich zu einem Pferd gerufen worden, das als schwierig reitbar galt und aktuell sogar eine Larmheit zeigte und nicht auf Schmerzmittel reagierte.
00:04:56: Der Haustherz war schon da... Und ich habe das Pferd palpiert, also durchgetastet und es war eine hohe Schmerzhaftigkeit in der Halswirbelsäule feststellbar.
00:05:07: Gleichzeitig eine eingeschränkte Biegung.
00:05:11: Ich habe dann das Pärd überwiesen zu einer orthopädisch arbeitenden Kollegin die das geröntigt hat und geschallt und die eine hochgradige Veränderung in der tiefen Hals Wirbelsäulen festgestellt hat und das auch infiltriert, also bespritzt hat.
00:05:27: Auch hier hat mir ein Pferd, wo man gesagt hat es zeigt einen Verhalten was nicht erwünscht ist und eigentlich über das Trainingsmaß.
00:05:36: also das Pferde ist gut trainiert.
00:05:38: Nicht damit kompatibel ist und das hat einen Grund.
00:05:41: Also kein Pferdd zeigt ein Aggressionsverhalten weil er es dem Menschen zeigen möchte oder Reches oder provozieren möchte.
00:05:53: So sind Pferden hier eine überhaupt nicht ausgerichtet.
00:05:56: Das Pferd als Fluchttier möchte sicher sein und wenn diese Sicherheit nicht gegeben ist, dann reagiert das mit Abwehrverhalten.
00:06:04: Das wäre ein Grund.
00:06:06: Also das sind schon mal verschiedene Beispiele die ein Verhaltensmediziner so sieht.
00:06:11: Und dann möchte ich gerne nur mit einem Vorteil um die Ecke kommen was man ganz ganz oft hört Verhaltungsmedizine das sind doch Diejenigen die die Tiere einfach mit Psychokaparmaka vollstopfen.
00:06:26: Also nein, drei Ausrufe bezeichnen.
00:06:29: Stopfen tut da schon mal niemand und keiner macht es sich einfach.
00:06:34: aber ja es hört dazu dass Verhaltensmediziner auch Medikamente ansetzen und darunter auch Psychopharmaka.
00:06:42: das ist nicht das ausschließlich was Verhaltungsmedizine tun aber es ist ein großer Anteil davon und das macht natürlich auch Sinn.
00:06:49: also wenn man sich vorstellt dass jetzt ein Tier schon medizinisch Äußerst gründlich abgeklärt ist, das wäre der Idealfall und es wird keine körperliche Ursache gefunden für die Verhaltensstörung des Tieres.
00:07:04: Dann kann es sinnvoll sein dass ein Verhaltungsmediziner Psychopharmaka gibt – und dies tut er natürlich erst nach.
00:07:10: gründlicher Prüfung und nicht in jedem Fall.
00:07:13: Also nur Psychopharmak vergeben ist auf gar keinen Fall die Arbeit eines Verhaltensmediziners, sondern ein Anteil davon.
00:07:20: Und ich glaube wir müssen da etwas Sprachhygiene betreiben und wirklich schauen ja wann macht das Sinn?
00:07:25: und wann macht es nichts Sinn?
00:07:26: Das fängt schon an.
00:07:28: was sind denn die Patienten die zu einem Verhaltungsmediziner kommen?
00:07:32: also wenn der Jagdhund in die Praxis kommt und die Leute sagen es ist ein perfekter Hund weil er geht leider jagen Dann ist das keine Verhaltenstörung, dann ist es einfach Art typisches Verhalten.
00:07:44: Vielleicht wie auch in der Erziehung was nicht optimal oder im Training.
00:07:47: also vielleicht haben wir ein Trainingsproblem aber wir haben definitiv keine Verhaltensstörungen.
00:07:53: Wann haben wir eine Verhaltenstörung?
00:07:55: Vielleicht bei einem Hund bei einem Autounfall dabei war und massiv gestresst ist.
00:08:01: Und so panik hat, dass die Leute ihn nicht mehr aus der Wohnung bekommen.
00:08:05: Dann haben wir wirklich ein Problem.
00:08:07: Der Hund kann sich nicht mehr versäubern.
00:08:08: Vielleicht führt es noch zu weiteren gesundheitlichen Einschränkungen.
00:08:12: Und diesem Hund kann zum Beispiel an Verhaltensmediziner helfen.
00:08:15: Manchmal macht das dann einfach Sinn, angstlösende Medikamente zu geben.
00:08:21: Aber ... Niemals nie sind nur Medikamente die Lösungen.
00:08:26: Das kann ich gar nicht oft genug sagen!
00:08:29: Die Medikamente sind eher so eine Art Türöffner, das heißt sie versetzen den Hund in einen Zustand, dass Training wieder möglich ist.
00:08:36: Noch wichtiger als die Medikamenten sind dann Training.
00:08:39: also wenn man zu diesem Beispiel des traumatisierten Hundes zurückkommt, dann kann es manchmal einfach notwendig sein, dass man im Hund Medikmente gibt damit er überhaupt in diesem Zustand gerät, dass man trainieren kann.
00:08:52: Und dann heißt es wirklich sehr gutes Training – also eine gute Qualität und sehr durchdacht!
00:08:59: Wir müssen eine Verhaltensmodulation oder eine Verhältensänderung herbeirufen und dabei ist dieses Medikament der Türöffnern.
00:09:07: Wenn wir nur Verhaltungsmedikamente geben werden wir keine dauerhafte, gute und zufriedenstellenden Ergebnisse bekommen.
00:09:14: Es benötigt auch Training Absolut unterstreichenswert.
00:09:20: Und oftmals ist es so, dass wenn man Medikamente geben muss das die sehr langfristig gegeben werden.
00:09:27: Manche Medikamente sind Spiegelmedikamente also man muss sie lange nur geben bis überhaupt zum Wirken kommen und Verheidungsänderungen brauchen Zeit.
00:09:34: Das weiß auch jeder der schon mal probiert hat sich eine neue Routine zuzulegen.
00:09:40: Drei morgen der Ehraufstehende schafft man und irgendwann wird's hartzig, es gibt ja verschiedenste Theorien ab wann es eine Routine ist die sich wirklich fest etabliert hat.
00:09:50: Manche sprechen davon dreißig Tagen und so ist das beim Hund auch.
00:09:54: also ein Hund der immer an der Leine gepöbelt hat und er bekommt jetzt angstlösende Medikamente beispielsweise.
00:10:01: Der wird nicht ab Tag zwei aufhören.
00:10:04: Also erst mal müssen diese Medikament in Wirkung haben und dann müssen wir aber auch dazu beitragen, was der Hund ein erwünschtes Verhalten zeigt.
00:10:12: Das heißt hier wird wieder trainiert, trainiert aber vielleicht schaffen wir es dass dieser Hund nicht mehr so im roten dreht damit er überhaupt ansprechbar ist.
00:10:20: und ja da kann einen Medikamenteinsatz absolut sinnvoll sein aber der muss halt wirklich immer super gut durchdacht sein sinnvoll und eben in Kombination planen was man macht Da kann das eben ein Teil davon sein.
00:10:35: Es gibt aber auch einen Großteil der Verhaltensprobleme, die man ohne Medikamenteinsatz löst oder zunächst löst und sagt wenn wir dort nicht weiterkommen wäre es sinnvoll ein Medikament einzusetzen.
00:10:48: Jetzt komme ich mal peinlicherweise zu den Vorurteilen, die ich gegenüber der Verhältnismedizin hatte.
00:10:57: also ich dachte kommt aus der manuellen Therapie Da gibt es manchmal relativ wenig Studien und auch relativ wenig Literatur.
00:11:07: Und ich dachte so, Verhaltensmedizin?
00:11:10: Wie objektivierbar ist denn das Ganze überhaupt?
00:11:13: Wird da nicht einfach viel gesprochen und geht's dann nicht sehr viel um Meinung?
00:11:17: Das muss ich sagen, dass es definitiv nicht so ist.
00:11:19: Es gibt mega viele Studien, supergute Literaturen ... Ich bin wirklich begeistert nach all diesen Jahren in der manuellen Therapie, wo ich nicht so viel lesen konnte!
00:11:30: wie groß der Markt ist.
00:11:31: und wenn man auch in der Englischsprachigen Literatur guckt, also wirklich total spannend.
00:11:36: Und es gibt so viele Studien und Paper – da findet man sehr, sehr viel Information!
00:11:43: Dann ein weiteres Vorteil was ich hatte war….
00:11:47: na' ich werd sicher nicht Verhaltensmediziner, dann kommen doch die Leute, die ihre Hunde nicht erzogen haben mit ihren super unerzogenden Hunden bei mir in die Praxis.
00:11:56: Und ich schäme mich so fest dafür dass sich das gedacht habe und also ich glaube das kann ich zu hundert Prozent bisher sagen, dass es nicht so war.
00:12:06: was ich in der Praxis sehe sind extrem engagierte empathische Leute, die einen hohen Leidensdruck haben.
00:12:14: Denn sie wirklich ein Tier mit einer Verhaltenstimmung haben, die oftmals die Tiere wahnsinnig gut vortrenniert haben und nur deshalb war es ihnen möglich, einen normalen Alltag zu bestreiten Und die eigentlich einen hohe Leidestruck haben und das Aufsicht nehmen aus tiefster Liebe zu ihrem Tier und recht viele Haushalten in Bewegung setzen Energieaufwenden Kraft aufwenden und wirklich auch Geld aufwinden einfach bereit sind, alles zu tun und um ein harmonisches Zusammenleben mit ihrem Tier zu haben.
00:12:47: Und davon bin ich immer wieder geflasht und ich sehe auch einen hohen Leidensdruck.
00:12:52: Also Beispielspeise bei Katzen die ins Haus urinieren erzählen die Besitzer das oftmals nicht weil sie sich irgendwo auch schämen oder Hunde die Aggressionsverhalten zeigen besonders gegenüber Menschen Und das ist wirklich eigentlich mega schade, weil die Leute sind schon in einer verzweibelten Situation und halten super viel aus.
00:13:12: Und haben etwas Sorge oftmals auch vor Kommentaren, die so drüber fliegen und sehr verletzend sein können.
00:13:19: Ich sehe wirklich tolle, tolle Leute mit wahnsinnig tollen Tieren und mit hohem Leidensdruck – es ist so schön dort helfen zu können!
00:13:31: schon einige Fälle, wo sie es ... Ja.
00:13:33: Das ist jetzt die letzte Station und sonst wird das Tier umplatziert oder sogar euthanasiert wenn wir gar keine Besserung hinbekommen.
00:13:41: Und dann zu sehen, wenn sich das Tier positiv entwickelt.
00:13:44: Ich glaube immer ganz fest daran dass es eine Ursache hat und wenn wir die abstellen ja dann so sehen wie diese Tiere aufblühen und ich versuche immer sehr in dem Tier zu sehen.
00:13:56: naja wer wärst du?
00:13:57: Wenn Du jetzt gerade nicht dieses Aggressionsthema zu hängen würdest?
00:14:01: Oder bist du nicht einfach eine verzweifelte Katze, die Stress hat und deshalb ins Haus uriniert.
00:14:07: Also lass es uns angucken und lasst mal dich wieder strahlen!
00:14:10: Ja und dann auch die Besitzer wenn sie wieder so super liebevoll über ihre Tiere berichten können weil das doch sehr beziehungsbelastend ist Wenn man so ne echte Verhaltensstörung hat.
00:14:21: Das knackst die Beziehungen an.
00:14:23: aber wie gesagt ich bin einfach immer sehr beeindruckt wie toll die Leute zu den Tieren halten.
00:14:28: Ich bin da bestimmt privilegiert, zu mir kommen die Leute, die was verändern wollen und die auch zu ihrem Tier halten.
00:14:34: Und nicht einfach sagen es gibt ein Problem also dann musst du leider weg!
00:14:39: Das ist natürlich eine besondere Situation dass ich so engagierte Leute da habe aber mein Vorurteil wurde auf gar keinen Fall erfüllt.
00:14:46: Ich entschuldige mich für allen Tierbesitzern und ich bin super dankbar das sich die Menschen und die Tiere auf ihren Weg begleiten darf.
00:14:54: Ich hab selber Tiere und ich feier meinen Rudel zu tiefst, wenn ich müde bin oder schlecht drauf bin.
00:15:01: Ich kann so viel Kraft aus meinem Rudel ziehen und wir haben so viele Freude miteinander.
00:15:06: Ich kan auch die Sorge sehr teilen, wenn's dem Tier nicht gut geht.
00:15:10: Und ich habe das Privileg, dass sich ganz viele Probleme-Huckzugs selber lösen kann.
00:15:16: Also, wenn mein Pferd irgendwie ein Abwehrverhalten zeigt ... Da bin ich total sicher, da steckt irgendwas dahinter, weil dieses Pferdzag sonst nur ja!
00:15:23: und kann dem auf den Grund gehen.
00:15:24: Und das ist ein riesiges Privileg, ich möchte gerne anderen Tierbesitzern dazu verhelfen, diesem Auf-dem-Grundgehen die Ursache finden und für ein möglichst harmonisches Leben mit Tieren zu sorgen, weil es einfach das Allerwunderschönste ist.
00:15:40: Ich sehe da so viel Potenzial, wenn man Verhaltensstörung beheben kann.
00:15:46: Dann habe ich schon angesprochen dass es ja verschiedene Ursachen für Verhaltungsstörungen gibt.
00:15:52: Und genauso wie es manchmal nicht nur eine Ursache hat, die dazu führt muss man das dann auch sozusagen rückwärts behandeln.
00:16:01: Das heißt wenn ich einen Hund habe der zum Beispiel Rückenschmerzen hat dem's übel wird beim Autofahren und er jetzt nicht mehr autofahren möchte und der vielleicht wildes Bellen zeigt Den könnte ich natürlich sedieren und der könnte dann vielleicht nicht mehr bellen, aber das ist natürlich totaler Schwachsinn.
00:16:23: Ich hätte nichts von der Ursache abgestellt.
00:16:26: Aber was ich machen könnte?
00:16:27: Ich könnte mich darum kümmern dass er rund keine Schmerzen mehr hat, dass der Hund keinen Übelkeit empfindet Sollte ich ihn im Anfang unterstützen, ihm den Stress zu nehmen.
00:16:38: Weil der Hund hat natürlich gelernt Autofahren ist richtig blöd.
00:16:42: Erstens tut mir nachher alles weh und zweitens wird es mir richtig übel.
00:16:48: Das heißt manchmal müssen wir an mehreren Punkten ansetzen Und immer umso breiter unsere Therapie ist, umso besser sind die Behandlungserfolge.
00:16:56: Und auch da wieder ist das jetzt eine Verhaltensstörung Also dass der Hund im Auto unentwegt.
00:17:04: Es ist auf jeden Fall ein Problem mit verschiedenen Ursachen und die gehen wir an.
00:17:07: Das heißt, seine Therapie kann im Anfang so aussehen dass man wirklich erst mal sich um die Schmerzen kümmert und vielleicht verhinderten möglichst Autofahrten zu machen.
00:17:16: das ist manchmal möglich das ist oftmals nicht möglich.
00:17:19: Wir sollten uns um die Übelkeit kümmern damit der Hund wirklich keine Ursache in sich hat Dass es ihm schlecht wird erwartet, dass es ihm schlecht wird und diese Erwartungshaltung kann eben auch Stress machen.
00:17:33: Und dann kümmern wir uns auch um den Stress.
00:17:35: Das heißt manchmal muss man ein bisschen breit behandeln und vielleicht wird das auch dem Vorurteil entsprechend verstanden als der Verhaltensmediziner Stopf des Tier mit Medikamenten voll.
00:17:47: Nein, keiner möchte vollstopfen.
00:17:49: Aber es ist manchmal notwendig mehr als eine Ursache zu behandeln.
00:17:53: Wenn ich diesen Hund beispielsweise nur gegen Schmerzen handeln würde dann tut ihm vielleicht die Hüfte nicht mehr so weh während der Autofahrt aber dem wird's immer noch spei-übel und das verursacht immer noch Stress oder ich bekämpfe nur die Übelkeit.
00:18:05: Dem Hund wird nicht mehr schlecht aber er sagt ja bei jede Kurve tut mir die Hünfte weh wenn ich dann Schmerz und Übelkeit abgestellt habe.
00:18:13: Und der Hund sagt, ja!
00:18:15: Ich weiß schon jetzt tut es nicht weh aber ich erwarte das schon.
00:18:17: Und gleich die Kurve.
00:18:18: und wir wissen selber, wenn wir gestresst sind, ist auch unsere Zündschmur kürzer und wir reagieren auf manches mehr.
00:18:26: Das heißt, wenn wir Migräne haben und uns stupst einer an und entschuldigt sich, dann würden wir im Normalfall sagen, kein Problem ist doch nicht schlimm.
00:18:34: Und wenn die Migräner haben, dann sagen wir vielleicht, ey, pass doch mal auf!
00:18:38: Also die Wahrscheinlichkeit, dass man gelassen und adäquat reagiert, es einfach besser ... Wenn wir uns in einem Wohl befinden – so ist das beim Tier natürlich auch – die sogenannten Coping-Strategien funktionieren besser, wenn Wohlbefinden groß ist?
00:18:54: Also das sind so Sachen, wo man sich manchmal gleichzeitig darum kümmern muss.
00:18:58: Wie findet denn eine Konsultation beim Verhaltensmediziner statt?
00:19:03: In der Regel hat er Tierbesitzer ein Problem und kommt vielleicht auf die Website vom Verhalts-Mediziner und findet sein Tier da schon in manchen Beschreibungen wieder, sagt ja, das zeigt mein Hund, dass zeigt mein Hund.
00:19:16: Manchmal auch wenn man solche Informationen bekommt denkt man stimmt!
00:19:19: Das hat mein Hund hier auch schon damals gezeigt Und dann wird ein Termin vereinbart.
00:19:24: In der Regel bekommt man einen Fragebogen vorher und er ist super umfangreich, also oftmals zehn Diener vier Seiten und plus weil man ganz viel wissen muss.
00:19:34: Man braucht wirklich die ganze Geschichte des Hundes soweit man sie weiß oder das Tier ist.
00:19:38: Also wo ist dieses Tier geboren aufgewachsen?
00:19:41: Wie ist es geprägt worden?
00:19:42: War das gut?
00:19:43: war das nicht gut?
00:19:45: in welchem Umfeld ist der Hund aufgewachsene oder das Tieren?
00:19:49: Wann ist das Tier umplatziert worden?
00:19:51: Also sehen wir da schon vielleicht Ursachen für das Ganze.
00:19:53: Dann noch die ganze medizinische Vorgeschichte, dann auch wie das Tier jetzt lebt.
00:19:59: also beispielsweise eine Katze wohnt die alleine in einer Wohnung oder wohnt sie mit neun anderen Katzen?
00:20:06: In einem Mehrkatzenhaushalt?
00:20:09: und kann sie raus, kann sie nicht raus?
00:20:10: hat sie viele Nachbarkatzen, hat sie mit denen vielleicht auf mal Theater?
00:20:15: all diese Informationen, die versucht man in seinem Bogen einzufangen auch schon bisherige Diagnosen oder Behandlungsversuche.
00:20:23: Und ja, man versucht natürlich auch gewisse Muster als Therapeut daraus zu erkennen und schon Hinweise auf eine Störung sozusagen zu finden.
00:20:35: Ja, und dann in der Regel hat man dann eine Konsultation.
00:20:38: die kann telefonisch online oder in der Praxis erfolgen oder natürlich auch auf dem Hof oder Zuhause also vor Ort wo das Tier lebt Und dann macht sich der Verhaltensmediziner ein Bild vom Verhalten des Hundes.
00:20:53: Es sollte auch immer eine klinische Untersuchung erfolgen, damit man auch schauen kann ist das Tier körperlich gesund und dann wird man auch noch verhalten getestet.
00:21:04: Damit meine ich aber nicht dass man mit einem Leinen Agro-Siebenhund zu dem nächsten besten Hund hingeht und sich das mal anguckt.
00:21:11: Und es muss auch niemand einen Verhalten provozieren für ein Video, um das nachher zu schicken.
00:21:17: Aber ansonsten ist es immer klasse wenn Verhalten auftritt dass man das festhält weil Videos sind sehr aussagekräftig und es hilft um mein Bild zu bekommen.
00:21:25: aber bitte niemals Situationen extra provoziert.
00:21:28: also der Hund der in die Leine steigt eine Leinaggression zeigt da wollen wir nicht diese Situation immer und immer weil umso öfter das Verhalten gezeigt wird, umso mehr ist dieser Weg auch im Gehirn gebahnt als die Option zu antworten und das wollen wir auf keinen Fall fördern.
00:21:46: Also niemals für eine Konsultation ein unerwünschtes Verhalten provozieren.
00:21:52: Wenn aber etwas Auffälliges passiert immer bitte die Kamera darauf richten Auch zum Beispiel bei anfallsartigem Verhalten also zb Ist es so einen Epilepsie-Anfall oder nicht?
00:22:03: Das kommt einem natürlich sehr pietätlos vor, wenn das Tier krampft und eine Person die nicht benötigt wird filmt das.
00:22:12: Aber in diesem Fall kann ich sehr ermuntern weil es wirklich wichtig ist für die Mediziner dass wir das beurteilen können.
00:22:19: Dass man schauen kann.
00:22:20: war das tieransprechbar ja oder nein?
00:22:23: was macht es dort also wirklich gerne gerne filmen auch wenn sich da doh vorkommt Ja und dann stellt man eine Arbeitshypothese auf.
00:22:33: Und an der hangelt man sich entlang und macht einen Behandlungsplan, und der ist natürlich jedes Mal sehr verschieden.
00:22:40: Es gibt verschiedene Möglichkeiten.
00:22:43: Beispielsweise kann man pflanzliche Mittel geben um das Tier zu unterstützen.
00:22:47: Ich habe vorhin berichtet von Fällen, wenn wir eine Haltwirbelsäule in Atrose haben dann muss die behandelt werden.
00:22:53: Also da bringt es nichts dass wir Klickertraining machen, dass das Pferd schöner still hält, wenn man aufsteigt.
00:22:59: Das Pferde ist ja schmerzhaft.
00:23:01: medizinische Ursache behoben oder behandelt.
00:23:05: Und ja, ein Behandlungsplan ist deshalb oftmals stufenweise und kann muss aber nicht Medikamente enthalten und am Ende sollte das zu einer Verhaltensmodulation führen also dass das verhalten Also, dass ungewollte Verhalten nicht mehr gezeigt wird und vielleicht vielmehr von gewünschten Verhalten.
00:23:24: Also wieder das Beispiel vom Pferd mit der Halswirbelsäulenatrose – da würde ich den Schmerz bekämpfen und gucken was brauchen wir sonst noch?
00:23:31: Dann wenn das Wert schmerzfrei ist können wir das Training wieder aufnehmen oder braucht es Pferde auch noch mehr Unterstützung um eben erwünschtes Verhalten zu zeigen!
00:23:40: Dieser Behandlungsplan wird einerseits mit dem Besitzer kommuniziert und in der Regel auch mit dem Haustierarzt, wenn das nicht sowieso schon der Verhaltensmediziner ist.
00:23:49: Oftmals braucht man ja noch weitere Untersuchungen,
00:23:52: d.h.,
00:23:52: der Austausch dort ist ganz wichtig.
00:23:54: Oftmal hat man ja auch noch Ziertrainer, die involviert sind – zum Beispiel ich arbeite mit vielen Hundetrainern zusammen -, dass Die Arbeitshypothose, diese teilt.
00:24:04: Ich hab den Verdacht dieser Hund ist sehr schmerzhaft der wird jetzt gerüngt.
00:24:09: wenn dem so ist wäre mein Behandlungsvorschlag folgende und ich wäre erfreut wenn wir uns gemeinsam Gedanken zu dem Training machen könnten.
00:24:19: Und ich bin kein Hundetrainer aber sehr Trainingsaffin!
00:24:22: Ich habe auch eine tolle Ausbildung machen dürfen bei Verhaltens Training.Wed, also da waren Zierärzte die trainiert wurden in positiv basierten oder belohnungsbasierten Hundetraining und es war mega mega spannend und ich sehe mich selber nicht als Hundertrainerin oder als Tiertrainerin aber ich empfinde es als extrem große Voraussetzung dass man Trainingsaffin ist und sich dort auch etwas auskennt damit man auch wirklich etwas einschätzen kann.
00:24:51: naja das Training einfach schief gelaufen reagiert doch adäquat, oder ist dieser Hund nahezu untrainierbar?
00:25:00: Ein bisschen überspitzt gesagt.
00:25:02: Oder austrainiert dem Begriff für euch auch schon öfter mal?
00:25:05: bis jetzt habe ich noch nicht den austrainierten Hund gefunden also ein Hund wo man sagt der kann schon alles das top trainiert und seit immer noch Probleme man kann immer noch mehr auftrainieren.
00:25:15: Ich selber trainiere super gerne aber ich trainire tatsächlich die Sachen die benötige und nicht nur aus Spaß an der Freude weniger Trägtraining, sondern viel mehr Sachen, die ich im Alltag benötigen kann.
00:25:27: Dann startet man diesen Behandlungsplan und dann gibt es wieder eine Kommunikation nach einem abgesprochenen Zeitraum zum Beispiel zwei bis vier Wochen.
00:25:36: der Besitzer berichtet was schon passiert ist, was es für Änderungen gibt usw.
00:25:42: Zusammenfassen kann ich also nochmal sagen Der Verhaltensmediziner ist besonders gut im Verhalten beobachten und analysieren und das einordnen Und im Aufspüren von Verhaltenstürungen und vor allen Dingen dem auf den Grund gehen, Ursachen finden.
00:25:59: Und Verhalten hat ganz oft eine medizinische Ursache.
00:26:04: Schmerz ist einer der häufigsten Ursachen die wir sehen und dann muss man sich darum kümmern.
00:26:10: Kein Tier wird Medikamenten vollgestopft aber ja manchmal benötigt es einen multimodalen Ansatz also dass man an mehreren Stellschrauben gleichzeitig dreht.
00:26:21: Das Ziel ist es, dass wir fröhliche Tiere haben die sich artgerecht verhalten und in einer tollen Bindung mit uns Menschen stehen.
00:26:29: Und es gibt eine tolle Verhaltensmedizinerin die heißt Kathrinian und die sagt immer wenn die Hunde Medikamente benötigen dann sollen sie dazu führen das wir wieder unseren Goofy haben also diesen fröhlichen lustigen unbeschwerten Hund.
00:26:43: was wir nicht wollen sind Zombies Und diese Aussage teile ich total.
00:26:48: Das heißt, also wie sie dir nicht Tiere die ein unerwünschtes Verhalten zeigen damit die Menschen es einfacher haben und glücklich sind und trainingsvoll sein können sondern wir versuchen der Ursache auf den Grund zu gehen dieser abzustellen und wenn das nötig ist auch einen medizinischen Support zu geben und sei es in Form von Psychopharmaka dass das Tier ein artgerechtes, lebenswertes schmerzfreies glückliches Leben führen kann und im Idealfall in einer super Verbindung mit seinen Menschen.
00:27:19: Und das ist wirklich auch meine Motivation!
00:27:23: Ich freue mich jedes Mal so fest wenn ich so positive Nachrichten von den Besitzern kriege und dass es wirklich immer so einen Aufsteller – und es braucht manchmal so viel Energie aber ich liebe das auch, mich in so Fällen festzubeißen und wenn es noch keine Besserung gibt dann ist es noch nicht das Ende.
00:27:41: Am Ende kommt alles gut und wenn's noch nicht gut ist, ist es auch nicht das Ende!
00:27:45: Und so versuche ich meine Fälle anzugehen und mit ganz viel Enthusiasmus und Wissensdurst daran zu gehen.
00:27:51: Es gibt immer wieder Fälle wo man denkt, dass es doch nichts muss gut werden und dann muss man einfach mehr lernen sich noch mehr Experten dazuholen.
00:27:59: Das ist ein ganz spannender Prozess und ich liebe diesen Job sehr.
00:28:03: Ich kann alle nur ermuntern Wenn ihr wirklich eine Verhaltenstörung vermutet Kontaktiert einen guten Verhaltensmedizine und überzeugt euch davon, dass dieser wertvolle Arbeit leistet in den Sinn.
00:28:16: Noch ein ganz wundervollen Tag!
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